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Das Mädchen René

Im Atem Rilkes // Kapellenweg Raron–Bürchen // Anlässlich des 100. Todesjahres von Rainer Maria Rilke 2026

Rainer Maria Rilke, 1875 in Prag als René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke geboren, erlebte eine Kindheit voller Verlust und Identitätsunsicherheiten. Nach dem frühen Tod seiner Schwester erzog die Mutter ihn wie ein Mädchen, was dazu führte, dass er Mädchenkleider trug und ihm Geschlecht eher als zugewiesene Rolle erschien. Die spätere Trennung der Eltern und die Militärschule verstärkten sein Gefühl der Fremdbestimmung und inneren Zerrissenheit.

Diese Erfahrungen spiegeln sich im Gedicht „Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“ wider, das Identität als fortwährende Entwicklung beschreibt, symbolisiert durch offene, kreisende Strukturen. Rilke nutzte oft weibliche Perspektiven und änderte seinen Namen von René zu Rainer – ein bewusster Akt der Selbstgestaltung. Sein Werk zeigt ein fliessendes Verständnis von Geschlechterrollen, das traditionelle Muster hinterfragt.

Die Installation mit grauen Filzmatten bildet einen offenen Kreis als Raum zwischen Grenze und Öffnung. Im Zentrum steht ein Plüschelefant als Symbol für Intuition und Gefühl, der Kindheitserinnerungen hervorruft. Die Anordnung erinnert an Rilkes Bild der wachsenden Ringe – Bewegung statt Besitz des Ich – und lädt zu einer stillen Selbstbefragung zwischen Innen und Aussen ein.